„Hol‘ mir meine Frau zurück!“

Das große Sommerinterview mit den ehem. Bürgermeistern Schwaha und Kofler

ÖVP Aktuell hat die ehemaligen ÖVP-Bürgermeister Josef Schwaha und ÖR Franz Kofler besucht. Beide Ex-Bürgermeister haben sich zur Gänze aus dem politischen Geschehen zurückgezogen, verfolgen jedoch das Geschehen in Vorchdorf aufmerksam mit. ÖVP Aktuell hat die beiden zum Interview gebeten. 

Was war Deine größte Herausforderung?

Schwaha: Während meiner Amtszeit gab es zahlreiche herausfordernde Projekte wie der Neubau der Kläranlage, der Schulumbau und Neubau der Sporthalle oder die Verhandlungen zur Ortsumfahrung und der Ankauf der Kitzmantelfabrik. Die größte Aufgabe war jedoch das Hochwasser 2002. Mit dem Hintergrund meiner Gendarmerie-Ausbildung habe ich die laufenden Einsätze koordiniert. Tag und Nacht. Und auch nach dem Hochwasser haben wir versucht, die Hochwasseropfer so rasch und unbürokratisch wie möglich zu helfen. 

Kofler: Die Erschließung des Betriebsbaugebietes war die größte Herausforderung. Wenn es nicht gelungen wäre, mittels eines Mediators eine positive Gemeinderatsentscheidung herbeizuführen, würde heute in Feldham kein einziger Betrieb stehen und die Asamer-LKW noch immer durch die Siebenbürger-Siedlung fahren.Von besonderer Bedeutung war die Installierung des Vereins „Zukunft Vorchdorf“. Hier werden partei-übergreifend strategische Themen diskutiert und angeregt. Im Vordergrund steht ein konsesvolles Umsetzen schwieriger Entscheidungen, das Thema ist vorrangig nicht das „Politische“. 

 

„Ich weiß, wieviel Arbeit hinter den realisierten Projekten steckt, und freue mich jedes Mal für alle Beteiligten, wenn was gelingt.“

Franz Kofler

Was war ein herausragendes Erlebnis?

Schwaha: Als Bürgermeister bist du eine Anlaufstelle für viele Anliegen der Bürger. Mit großem persönlichen Einsatz konnte ich viele Fälle lösen. Einmal kam jemand mit der Bitte, seine Frau zurückzubringen, da musste ich ihm jedoch sagen, dass das nicht geht. Grundsätzlich habe ich immer schriftlichen Kontakt mit den Bürgern gehalten, wenn ein Verfahren im Laufen war. So waren alle Beteiligten über den Status und Ausgang informiert. 

Kofler: In der Funktion als Bürgermeister wird man „Grenzgänger“. Einerseits gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, die eingehalten werden müssen. Andererseits geht es in der „realen Welt“ um Entscheidungen, die rasch gefällt werden müssen, ansonsten gehen Chancen verloren.  Ich denke hier an die Betriebsansiedelung von HTC Miba. Darüber hinaus lernt man die Menschentypen kennen: Es gibt viele, die es gut meinen, manche jedoch auch, die versuchen, ungerechtfertigt das Beste für sich herauszuholen. Ich habe immer versucht, alle BürgerInnen gleich zu behandeln. Bei wichtigen Angelegenheiten gab es eine nachvollziehbare Aktennotiz.

„Ich verstehe nicht, wie es Bürgermeisterkandidaten geben kann, die keine fachlichen Voraussetzungen dafür mitbringen, geschweige denn in der Vergangenheit Leistungen gezeigt haben.“

Josef Schwaha

Was würdest Du rückblickend anders machen?

Schwaha: Ich würde mir bewusst mehr Auszeit nehmen, und nicht die ganze Energie in das Amt legen. Jeder muss einmal durchschnaufen. Eine Sache wäre rückblickend vielleicht besser gewesen: Wir hätten damals den „Neptun“ dort lassen sollen, wo er war. 

Kofler: Ja, es gibt Beispiele, die ich im Nachhinein anders machen würde. Grundsätzlich kann ich heute noch zu allen Entscheidungen stehen, wie sie gefallen sind. Obwohl ich heute nicht mehr in der Politik bin, freue ich mich für alle Beteiligten, wenn etwas gelingt. Als ehemaliger Bürgermeister weis ich, wie langatmig man als Bürgermeister sein muss und wieviel Arbeit dahintersteckt, bis Projekte Realität werden.

 

Was hat sich in Vorchdorf verändert?

Schwaha: Die politische Diskussion hat sich vom Stammtisch ins Internet verlagert. Generell treibt die Politik seltsame Blüten, wie kann es sonst sein, dass es Bürgermeisterkandidaten gibt, die weder fachliche Kompetenz noch erfolgreiche Leistungen in der Vergangenheit gezeigt haben. 

Kofler: Vorchdorf ist heute bunter. Das kulturelle Angebot mit der Kitzmantelfabrik war aus meiner Sicht ein entscheidende „weicher Faktor“, damit sich Betriebe ansiedeln. Kultur fördert zudem Konsum in Gasthäusern und Übernächtigungen.